Bonn, 5. November 2026 – Die aktuelle Projektion des IGES-Instituts, beauftragt von der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), zeigt: Ohne weitere Reformen steigen die Sozialabgaben von heute 42,8 Prozent bis 2035 auf knapp 49 Prozent – in einem Negativszenario auf über 52 Prozent. Die Gewerkschaft der Sozialversicherung (GdS) nimmt diese Zahlen ernst. Sie kritisiert jedoch, dass die daraus gezogenen Schlussfolgerungen in die falsche Richtung weisen.
„Diese Studie benennt ein reales Problem – verschweigt aber, wer es verursacht hat“, kritisiert Maik Wagner, GdS-Bundesvorsitzender. „Seit Jahrzehnten werden versicherungsfremde Leistungen auf die Beitragszahler abgewälzt, statt sie aus Steuern zu finanzieren. Seit Jahren drückt der Bund die Beiträge für Bürgergeldempfänger in der GKV auf ein Niveau weit unter den tatsächlichen Kosten. Und gleichzeitig werden aktuell Krankenkassen bei den Verwaltungskosten kleingerechnet, während für die Pharmaindustrie Ausnahmen gesucht werden. Das ist nicht zu rechtfertigen.“
Ein weiteres Strukturproblem betrifft die Rentenversicherung: INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben fordert auf Basis der Studie, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Die GdS lehnt das entschieden ab. Eine steigende Lebenserwartung bedeutet nicht, dass Menschen auch länger gesund arbeiten können – das gilt besonders für körperlich und psychisch belastende Berufe. „Ein Renteneintrittsalter, das automatisch mit der Lebenserwartung steigt, ist eine Rentenkürzung durch die Hintertür – und nichts anderes“, erklärt Maik Wagner. „Wer das als Strukturreform verkauft, sagt den Menschen nicht die Wahrheit.“
Die GdS fordert deshalb: kostendeckende Beiträge des Bundes für Bürgergeldempfänger in der GKV, vollständige Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen sowie auskömmliche Verwaltungskostenbudgets für die Krankenkassen.
„Wer auf Grundlage dieser Studie Leistungskürzungen fordert, löst das Problem nicht. Er schiebt es auf die Versicherten ab“, so Wagner abschließend.